Schlank, Schlau und Schön mit Darm – nach Professor Dr. Michaela Axt-Gadermann, Spezialistin für die menschliche Darmflora

Wir wissen, dass die Darmbakterien, die im Darm leben uns schöner, schlanker und attraktiver machen.

Jeder von uns hat Hundertbillionen Darmbakterien im Darm.

Sie produzieren ganz unterschiedliche Substanzen, wie z.B.

  • Vitamine,
  • Antioxidanzien
  • Sonnenschutzfaktoren
  • Hyaloronsäuren

Diese Dinge finden wir auch in Kosmetikprodukten.

Der Darm schützt uns vor Hautkrankheiten, er reduziert Falten.

Er ist für die Feuchtigkeitsversorgung der Haut zuständig. Alles in allem macht der Darm uns attraktiver.

Steuert der Darm unsere Körperfunktionen?

Ja, auf mehrfache Weise. Darmbakterien produzieren eine ganze Vielzahl von Substanzen. Sie bleiben nicht im Darm, sondern wandern durch den ganzen Körper.

Dadurch erreichen diese Substanzen jede Körperzelle von der kleinen Zehe bis zur Haarwurzel.

Diese Substanzen sind sehr wichtig für unsere gesamte Gesundheit, wie

  • unsere Psyche,
  • den Stoffwechsel,
  • den Schutz vor Allergien,
  • vor Auto-Immunerkrankungen.

Die Darmflora betrifft nicht nur den Darm.

Ihre Wirkung geht weit über den Darm hinaus.

Der Satz ‚du bist, was du isst‘ trifft voll und ganz zu. Und zwar auch ganz unabhängig von der Darmflora. Je nachdem, welche Nährstoffe ich zu mir nehme im Laufe meines Lebens – wir führen ja Tonnen von Nahrungsmitteln zu im Laufe unseres Lebens….wir können uns wundervolle Schutzstoffe aus der Nahrung ziehen.

Natürlich können wir auch Fastfood und Süßigkeiten essen. Das Verhältnis zwischen ‚gutem, gesunden Essen‘ und Fast Food muss allerdings stimmen.

Der größere Teil meiner Ernährung soll ich gesund und abwechslungsreich gestalten. Das wirkt sich auch auf die Stimmung und die Leistung aus.

Wir wissen z.B., ass Jugendliche, die viel Fast Food essen, ein höheres Risiko haben, Depressionen zu entwickeln.

Auch die Zusammenhänge zwischen Akne und Ernährung sind heute relativ gut untersucht. Sehr viele Milchprodukte fördern interessanterweise eine Akne. Je mehr Milchprodukte Akne Betroffene zu sich nehmen, desto mehr sprießen die Pickel.

Dabei geht es nicht nur um Milchprodukte, sondern auch um Transfette, die sich in Gebäck befinden, wie z.B. in Croissants und Kuchen.

Darüber hinaus sollten Akne Betroffene Zucker meiden. In Maßen ist alles OK.

Wie ist es mit Menschen, die beim bloßen Anblick von Kuchen gefühlt dicker werden?

Es gibt tatsächlich Menschen, die bessere Futterverwerter sind als andere.

Das liegt daran, dass ihre Darmflora anders zusammengesetzt ist als die von anderen Menschen.

Sie besitzen mehr sog. Moppelbakterien.

In der Fachsprache nennen wir diese Bakterien Firmicutes. Firmicutes nutzen unsere Nahrung tatsächlich besser aus als andere Bakterienstämme.

Wenn diese Bakterien nur um 20% ansteigen, resobiert unser Körper 10% mehr Kalorien. Jeden Tag nehmen diese Menschen 150 bis 200 kcal mehr zu sich.

Das hört sich nicht viel an, aber es ist eben ein Stück Kuchen, ein Apfel oder ein Glas Wein, das sich diese Menschen eben nicht ‚gönnen‘ können wenn sie nicht dicker werden möchten.

Über das Jahr summieren sich diese extra Kalorien auf 8 – 10 Kilo.

Es ist oft relativ schwierig, Magen-Darm Problemen auf die Spur zu kommen.

Es können zum einen Stören der Darmflora vorliegen, wie es z.B. beim Reizdarm der Fall ist, oder wenn ich unter starken Blähungen leide.

Es kann auch Nahrungsmittelallergien geben. Das betrifft häufig Kinder, aber auch Erwachsene können betroffen sein. Ganz häufig sind Allergien gegen Milch, Nüsse oder Weizenmehl. Es gibt zudem Nahrungsmittel Intoleranzen.

Aus unterschiedlichen Gründen vertrag ich bestimmte Nahrungsmittel nicht.

Bei Laktose Intoleranz fehlt mir z.B. ein Enzym, dass den Milchzucker spaltet. So gelangt der Milchzucker eben in den Darm, wird dort von den Bakterien vergoren. Das verursacht Blähungen und Bauchschmerzen.

Bei Gluten ist es eine ähnliche Sache.

Jeder denkt, er müsse auf Gluten verzichten. Wirklich ganz und gar auf Gluten verzichten muss nur 1% der Bevölkerung.

Es handelt sich um die Menschen, die eine sog. Zöliakie haben. Es gibt auch Menschen, die Weizenprodukte nicht vertragen.

Dann liegt es aber nicht am Gluten, sondern es liegt an Stoffen, die durch bestimmte Züchtungen in den Weizen gekommen sind. Kann man das alles testen lassen? Nein, es gibt nicht für alles Tests.

Das ist ein Problem.

Oft ist eine Ausschlussdiagnostik, d.h. ich muss ausschließen was ich kann. Allergien kann ich z.B. ausschließen. Dann schaue ich, ob es mir besser geht, sobald ich bestimmte Nahrungsmittel weglasse. Am besten, wir hören auf unseren eigenen Körper.

Wir verzichten ein, zwei Wochen auf bestimmte Nahrungsmittel und führen im besten Fall zusätzlich ein Ernährungstagebuch. Darin führe ich auf, was ich gegessen habe und wie meine Beschwerden sind. Das kann ich z.B. mit Schulnoten bewerten.Wenn ich nach 4 Wochen zurückblicke, sehe ich, dass meine Beschwerden immer schlimmer werden, wenn ich z.B. Milch trinke. Spannend.

Thema Kaffee:

Kaffee ist für unseren Darm toll.

Das darin enthaltene Koffein kurbelt die Darmtätigkeit an. Außerdem sorgt Kaffee für eine gesunde Darmflora. Sind zwei Tassen Kaffee pro Tag in Ordnung? Wer nicht koffeinempfindlich ist, kann ruhig 4-5 Tassen Kaffee pro Tag trinken.Lassen sich auch Glückshormone über die Darmflora anregen? Ja, gerade das Glückshormon Seratonin. Das meiste Seratonin wird nicht im Gehirn gebildet, sondern in unserem Darm. Wobei es im Darm eher der Darmtätigkeit dient. Im Darm werden ganz viele Vorstufen der Glückhormone gebildet, die dann in unser Gehirn gelangen. Sie können dort unsere Psyche beeinflussen, sprich uns glücklicher machen, uns zufriedener machen oder uns Ängste nehmen. Auf dem Gebiet der Darmgesundheit und der Erforschung des Mikrobioms gibt es medizinisch z. Zt. die meisten Entdeckungen. Seit ca. 10 Jahren können wir erst die Darmbakterien, die sich in unserem Stuhl befinden, analysieren. Das hat diesem Forschungsgebiet enormen Aufschwung gegeben.

Wer sich mit Kacke beschäftigt, beschäftigt sich mit dem Mikrobiom.

In einem Gramm Stuhl sind mehr Bakterien zu Hause als Menschen auf der Erde leben.

Quelle: OBarmercare