Fragen rund um den Darm und was erwünschte und unerwünschte Bewohner betrifft,  beantwortet in diesem Gespräch  Dr. med. Franziska Schindler

Im Rahmen des Darmkongress im Mai 2020

Hast du Erfahrung mit einer Fehlbesiedlung im Dünndarm und in dem Zusammenhang mit Probiotika?

Wenn du unter einer Verdauungsstörung leidest, sind Probiotika nicht wegzudenken.

Sie gehören einfach dazu.

Viele Menschen glauben allerdings, dass sie nichts anderes zu tun brauchen, als Probiotika zu schlucken. Schon geht es ihnen wieder gut. Leider ist das nicht der Fall. Es gehört schon mehr dazu, Probleme mit dem Darm, wie

  • Reizdarm
  • Chronische Druchfälle
  • Blähbauch

zu behandeln und zu beheben.

Probiotika haben immer einen Stellenwert, machen aber nur einen Teil der Behandlung aus.

In manchen Phasen der Behandlung sind sie sogar nicht geeignet, sondern erst in anderen Phasen. Du kannst sogar eine Verschlimmerung der Symptome bekommen, wenn du sie in der falschen Phase einsetzt.

Was ist der Unterschied zwischen einer Dünndarmfehlbesiedlung und einer Dickdarmfehlbesiedlung?

Es gibt einen sehr deutlichen Unterschied.

Bei der Fehlbesiedlung im Dickdarm meinen wir meistens, dass die Keime, die im Dickdarm vorhanden sein sollen, nicht genügend vorhanden sind.

Oder wir meine, dass Keime, die da sein sollten, in zu großer Anzahl da sind, sprich überwuchern.

Das nennen wir dann Dysbiose.

Was den Dünndarm betrifft, ist es so, dass dort fast keine Keime hingehören. Wenn im Dünndarm doch Keime vorhanden sind, sind sie meistens hochgewandert vom Dickdarm. Sie können im Dünndarm sehr schwere Beschwerden verursachen.

Es hat sich eine natürliche Flora entwickelt, die aber am falschen Ort ist.

Eine Frage zu Neurodermitis:

was gibt es für Heilmethoden für kleine Kinder? Stimmt es, dass Eier gar nicht gegessen werden dürfen?

Bei Babys gibt es eine genetische Komponente. Wenn das Kind vor und/oder während der Geburt ungünstige Voraussetzungen hat, was das Immunsystem betrifft, z. B. bei Kaiserschnittgeburt oder Einsatz von Antikbiotika plus auslösende Stressfaktoren, kann es zu Neurodermitis im Babyalter kommen. Neurodermitis gehört wahrscheinlich zu den Auto-Immunerkrankungen.

Neurodermitis bedeutet immer eine sehr spezielle Diagnostik und auch eine sehr individuelle Therapie.

In der Regel sind Ernährungseinschränkungen vorzunehmen. Vielfach werden Milchprodukte nicht vertragen. Bei Eiern ist es individuell. Es ist möglich, dass Eier nicht vertragen werden, aber nicht in jedem Fall. Man muss es ausprobieren.

Es ist sehr wichtig, dass die Kinder eine seelische Stabilität aufbauen. Die Kinder müssen sich sicher und geborgen fühlen. Neurodermitis ist sehr stark abhängig von Stressfaktoren. Wenn das Kind Spannungen innerhalb der Familie erlebt, kann das das Hautbild sehr verschlechtern.

Was kannst du uns zum Thema Asthma erklären?

Was das Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten betrifft, gibt es Einflüsse auf solche Erkrankungen.

Neurodermitis und immonologisches Asthma (allergisches Asthma) könnten sie auf die Ernährungsweise zurück zu führen sein. Es lohnt sich immer, mit der Ernährung zu experimentieren.

Es handelt sich um komplexe Krankheitsbilder, die verschieden Einflussfaktoren haben. Der einzelne Betroffene kann ziemlich leicht herausfinden, leichter als jegliche Bluttests, nämlich in dem er Auslassdiäten durchführt.

Der Betroffene kann z.B. zwei Wochen lang eine bestimmte Gruppe von Nahrungsmitteln weglassen. Er kann zu einem Zeitpunkt, wo sein Asthma stark ist z. B. eine Zeitlang auf Milchprodukte verzichten. Wenn die Beschwerden innerhalb dieser zwei Wochen nachlassen, bekommt er von seinem Körper die Rückmeldung, dass Milcheiweiß bei seiner Asthmaerkrankung möglicherweise eine Rolle spielt.

Das kann man mit anderen Nahrungsmittelgruppen genauso machen. Franziska Schindlers Meinung nach sind diese Tests viel aussagekräftiger als Blutuntersuchungen und Antikörpertests.

Kann man über den Darm bei Borreliose helfen?

Die Borreliose ist eine Infektionskrankheit. Es ist eine sehr schwierige Erkrankung. Sie ist zunächst nicht einfach zu entdecken. Die Antikörperbildung verhält sich bei Borreliose ganz anders als bei anderen Infektionskrankheiten. Die akut Antikörper haben die Betroffen oft ein Leben lang.

Bei anderen Infektionskrankheiten sind diese Antikörper nur am Anfang der Krankheit im Körper und verschwinden dann. Auch Verlaufsuntersuchungen von Antikörper machen wenig Sinn bei Borrelien.

Franziska Schindlers Behandlungsweise bei Borreliose ist keine Behandlungsweise, die den Darm speziell in den Vordergrund stellt. Am besten verwenden wir pflanzliche Antibiotika oder Borrelienmittel aus dem Pflanzenreich.

Wir können eine Antibiotikakur machen. Sie dauern allerdings immer sehr lange. Je nach Stadium der Borreliose dauert die Behandlung zwischen zwei und vier Wochen. Die Behandlung mit Antibiotika ist nicht 100% sicher. Man kann die Behandlung mit Antibiotika ständig wiederholen. Damit würde man dem Körper mehr schaden als nutzen.

So ist es wichtig, dass wir die Borrelien in Schach halten. Wahrscheinlich ist es schwierig, sie ganz aus dem Körper zu verbannen. Man kann sie allerdings mit bestimmten Heilkräutern unter Kontrolle halten.

Da spielt jetzt die Darmgesundheit eine wichtige Rolle. Wir brauchen dafür ein intaktes Immunsystem. Der Darm hat eine sehr große Funktion innerhalb des Immunsystems. Außerdem ist es wichtig, dass der Körper möglichst von Toxinen befreit wird. Toxine können dafür sorgen, dass Borrelien sich im Körper halten können und somit das Immunsystem weiter schwächen. Das wiederum hat zur Folge, dass die Borrelien sich weiter ausbreiten können.

Neue Frage: wie können wir Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis durch Nahrung beeinflussen?

Es handelt sich also um die Auto-Immunerkrankungen.

Es ist sinnvoll, eine ganz bestimmte Diät zu halten. Es ist wichtig, Gluten und Milchprodukte zu entfernen. Hülsenfrüchte haben ebenfalls keinen Platz. Als Eiweißträger sollte Fleisch verzehrt werden, möglichst aus Bio-Anbau. Mit dieser Ernährung kann man den Auto-Immunprozess sehr lindern. Es ist so, als würde man kein Benzin mehr ins Feuer gießen, der Entzündungsprozess wird geschwächt.

Das Ganze führt noch nicht zu einer Heilung, ist aber ein ganz wichtiges Standbein.

Eine gesunde Darmflora und eine gesunde Darmschleimhaut sind essentiell wichtig.

Heute wird allgemein vermutet, dass, wenn die Darmschleimhaut durchlässig ist, auto-immun Prozesse entstehen können. Noch nicht vollständig verdaute Eiweißstoffe können durch die Darmschleimhaut in die Blutbahn gelangen. Dadurch werden Antikörper gebildet gegen bestimmte Aminosäurensequenzen. Diese größeren Bausteine sind natürlich auch in unseren Körperzellen vorhanden. Somit können diese Antikörper auch gegen bestimmte Gewebe im Körper vorgehen. Dann haben wir es zu tun mit einer sog. Auto-Immunerkrankung.